Grußwort von OB Christian Ude

Zum 20. Mal hat sich heuer die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl gejährt – und damit
auch die Gründung der Umweltorganisation „David gegen Goliath“, die wenige Wochen nach dem GAU vom 26. April 1986 angetreten ist, den Ausstieg aus der Kernenergie einzuläuten. Begonnen hat der Widerstand gegen die Atom-Lobby damals mit einer Unterschriften- und Anzeigenkampagne sowie der regelmäßigen Teilnahme an den Demonstrationen gegen
die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, deren Bau dann auch tatsächlich verhindert wurde. Inzwischen ist „David gegen Goliath“ von der einstigen Anti-Atombewegung längst zu einem Aktionsbündnis geworden, das sich für die Bewahrung der Schöpfung ebenso einsetzt wie für die Stärkung der demokratischen Bürgerrechte, die Förderung eines toleranten, integrativen und friedlichen Miteinanders der Münchner Stadtgesellschaft, die internationale Völkerverständigung oder auch die solidarische Unterstützung der Tschernobyl-Opfer in unserer ukrainischen Partnerstadt Kiew.

12 Jahre lang, von 1990 bis 2002, hat Bernhard Fricke, der Gründungsvater, Vordenker, Wortführer und Chefdramaturg von „David gegen Goliath“ seinen politischen Kampf für eine bessere Welt als ehrenamtliches Stadtratsmitglied vom Münchner Rathaus aus geführt:
mit einem missionarischen und medienwirksamen Eifer, der immer wieder für Spektakel und Schlagzeilen gesorgt hat, vor allem aber auch mit zählbaren Erfolgen, die wesentlich nachhaltiger wirken als alle Aufregung um manche enzyklopädische Stadtrats-Anfrage, um Baumbesetzung und Zugblockade.

Ganz besonders sind hier natürlich die diversen Initiativen zur Nutzung und zum Ausbau der Solarenergie hervorzuheben. Die erste Solaruhr am Stachus, die Solaranlage auf dem Dach des Münchner Rathauses, mit der das weltberühmte Münchner Glockenspiel und die Münchner Rathausuhr betrieben werden, die Finanzierung von Solar-Lehranlagen an Münchner Schulen, die Einführung der kostendeckenden Vergütung für privat erzeugten Solarstrom: Das alles ist den Aktivitäten von „David gegen Goliath“ und namentlich dem langen politischen Atem von Bernhard Fricke zu verdanken. Das alles hat auch wichtige Anstöße zu einer Neuorientierung der kommunalen Energiepolitik gegeben. Heute ist München auf dem besten Wege, zur Solarstadt zu werden. Und nach wie vor steht „David gegen Goliath“ dabei an der Spitze der Bewegung, auch nach dem Ausscheiden Bernhard Frickes aus dem Münchner Stadtrat.

Die SolarParade gibt dafür das beste Beispiel. Zum 6. Mal bereits geht dieses Gipfeltreffen umweltfreundlicher Fahrzeugtechnik an den Start, und es präsentiert zum 20. Geburtstag von „David gegen Goliath“ ein größeres und innovativeres Angebot denn je: Konventionelle
E-Mobile, Solar-Mobile, Biogas- und Pflanzenöl-Autos, Tretkraftfahrzeuge sind hier ebenso vertreten wie die neuesten wasserstoffbetriebenen High-Tech-Fahrzeuge der etablierten Autohersteller.

Auch die „Goliaths“ der Automobilindustrie haben also keinerlei Scheu, gemeinsam mit den „Davids“ für eine umweltschonende Mobilität zu werben. Auch das unterstreicht, dass die Entwicklung und der Einsatz erneuerbarer Energien im Fahrzeugbau auf breiter Front vorankommt. Und das ist auch und gerade aus Sicht der Landeshauptstadt München nur mit Nachdruck zu begrüßen, nicht nur vor dem Hintergrund steigender Benzinpreise, sondern vor allem auch mit Blick auf die enorme Luftverschmutzung, die uns der motorisierte Großstadt-verkehr tagtäglich beschert. Jede Möglichkeit, diese Belastung zu lindern, gilt es zu nutzen. Wie es geht, demonstriert auch die 6. SolarParade auf besonders anschauliche Weise.

Sehr gerne habe ich deshalb auch in diesem Jahr wieder die Schirmherrschaft übernommen und wünsche der Veranstaltung ein fulminantes Publikums- und Medienecho.

Und damit bleibt mir nur noch, Bernhard Fricke und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern zum 20-jährigen Jubiläum von „David gegen Goliath“ herzlich zu gratulieren und auch für die kommenden Jahre viel Glück und Erfolg und das notwendige Stehvermögen zu wünschen.

Christian Ude